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busstop memories

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Wie alles begann...

Musik bewegt bekanntlich die Welt, oder zumindest die Menschen, die auf ihr leben, und das ist gut, denn von Bewegung und Emotionen, ganz besonders positive Emotionen können die Menschen gar nicht genug bekommen. So hoffe ich zumindest.

Manche bewegen sich zu den Achtzigern, manche zu den Neunzigern, es soll auch noch welche geben, denen es die Zeit vor der ersten Mondlandung angetan hat (ungefähr fünf davon kenne ich sogar persönlich), aber da gab es noch die Siebziger. Eine unglaubliche Zeit, so voller Spannung, Neuerungen und Enthusiasmus, dass es den Dabeigewesenen ein Strahlen in die Augen zaubert, wenn man diese Zeit nur nebenbei erwähnt. Ist das nicht perfekt, wenn man sich zu einer Musik, aus einer solchen Zeit bewegen kann, dabei Spass hat und das ganz unweigerlich zu positiven Emotionen aller Beteiligten führen muss? Ja, das ist es!

Selbst in unserer Gesellschaft bedeutet ein solches Erlebnis noch etwas. Der übertriebenen Nostalgie einiger Hängengebliebenen (im Positiven!) sei Dank! Gut, wir waren zwar nicht die Ersten, die diese Idee hatten, aber das ist ja nun auch völlig egal. Es ging schließlich um unseren Spass. Da bedeutete die sich manchmal überraschend offenbarende Kulturförderung unseres Bundeslandes ein persönliches Kleinod für mich und natürlich einen Segen für die Welt. Mit diesem Ergebnis! So wurde uns, als hätte es der Zufall nicht nur zufällig gewollt, eine Möglichkeit präsentiert: es flatterte im Herbst letzten Jahres eine Broschüre der Landesarbeitsgemeinschaft Sozio-Kultur Sachsen in eine Vorstadtjugendeinrichtung und traff auf die Richtigen. Die Entscheidung fiel nach einigen bestanden Vorausscheiden irgendwann im Dezember und der Rest ging ganz schnell. Wir schrieben über die Siebziger! Klauen kann man da überall! So entstand mit halber Leichtigkeit ein Stück, vollgepackt mit Komik, Charme und teilbaren Ideologien, angereichert mit schönen Vorstellungen und dem beruhigenden Abrutsch in ein nur theoretisch kitschiges Happy End. Tja, wie es das Leben eben gewöhnlicher Weise so schreibt. Nicht?

Und zum Glück leben wir in einer Gesellschaft, in der Kultur und Mut zum Ausprobieren noch immer einen Stellenwert im Leben eines manchen jungen, wie auch älteren Menschens haben. Ein Glück deshalb, weil man beim Amateurtheater keine Chance hat, jemanden Gage zu zahlen. Langsam versammelte sich also die bis jetzt vom Kapitalismus unentdeckte Kreativität pur. Erstaunlich! Wo kamen die alle nur her? Durch erfolgreiche Mundpropaganda und unübersehbaren Ausschreibungen waren die ersten Treffen im Jugendhaus möglich. Es hatte noch keiner eine Ahnung, wie und wohin, aber alle wollte langsam aber sicher genau so, genau dahin. Verwunderlich bei der angenommenen Flachsheit der heutigen Jugend. Aber egal.

Habt ihr eine Ahnung wie spannend das sein kann, wenn aus einem auf der Gitarre dahin geschrummelter Song ein Lied mit Choreinlagen und einer immer besserwerdenden Leadstimme sein kann? Nein? Dann solltet ihr es unbedingt ausprobieren! Ja, ich kann mich noch gut an die ersten Male erinnern. Der Raum bebte, wenn wir ein Lied zum ersten mal richtig sangen, andere Besucher des Hauses öffneten überrascht die Tür, um uns einen musternden Blick zuzuwerfen. "Wer hätte das gedacht, dass die alle so singen können?" haben sie gedacht, ich hab es genau gesehen! Aber genug der Schwärmerei. Wir waren in der Anzahl noch bei ungefähr zwölf oder so. Jetzt sind wir fast vierzig.

Manchmal kam es mir vor wie ein Virus. Alle waren angesteckt, sei es mit positiven oder negativen Symptomen. Beides sollte hier, der Autonomie wegen nicht weiter ausgeschmückt werden.

Es geht ja immer noch um Sozialarbeit.

Und wo wir gerade dabei sind, können wir auch gleich über die stattgefundene Sozialisierung reden. Manchmal war sie etwas schleppend! Da bleibt die Frage, warum sich Rythmusgruppe und Chor als zwei Teile verstehen können, in der Musik völlig undenkbar, zumindest in dieser, aber wir sind ja auch bei der Guten. Nebenbei noch peinliche Momente, anders gesehen könnte man auch sagen, zum schreien komische "Lockerlass-Momente" bei der ersten, zweiten, dritten und wohl auch vierten Tanzprobe. Ich glaube da hat uns der allgemein beliebte Sonnenallee-Tanz gerettet. Ein Glück! Aber irgendwann, nach gelachten Tränen, abendheisernen Stimmen, einem vergangenem Frühling, einem urlaubsbestimmten Sommer und unzähligen Versuchen mit anschließenden Diskusionen haben wir die Symbiose geschafft!

Bei den Studioaufnahmen lernte noch jeder endlich auch mal seine richtige Stimme und Texte sollten zur Erleichterung auf Kassette gesprochen werden. Hastig wurde an dem Bühnenbild gearbeitet. Bei den ersten zusammenhängenden Proben traten plötzlich alle Kleinigkeiten eines so kurz erscheinenden Stückes in ungeahnter Vielfallt vor uns, alles wurde langsam hektisch, aber auch plastisch. Ja, so zum greiffen nahe, dass nicht viel fehlte, meißt nur ein Wort, und man spürte das leichte Kribbeln der Aufregung in der Magengegend. Nach mehreren Proben im Spielhaus in Hohenstein-Ernsttahl und im Jugendhaus, bei denen Platz- und "gute-Luft"-Mangel bestimmend waren, kam der Tag, an dem wir in das großen Gefilde des Schützenhauses wechseln durften. Endlich hatte der Begriff Akustik wieder eine Bedeutung!

Nun ging es um das Ganze. Wie verkauft wer am besten seine Figur (zum Glück waren auch ab und zu mal Experten zu gegen... ein Dank an dieser Stelle!), wie fügt man dieses Bild nun am glücklichsten zusammen...? Hm, eigentlich entstand es letztendlich wohl am wahrscheinlichsten ganz aus sich selbst. Es wurde aufallends jede Probe schöner Tina und Eva in ihrer unglaublichen Komik zu sehen, die Annäherung von Tim und Tim mitzuerleben, deren Unterschied nicht nur im Jung und Alt bestanden, aber so ist das wohl im Leben, Barbaras Schlagwort "vibration" (lets speak it in english) wurde zum "Lächelanlass", und sogar aus Alfred war nicht nur ein lautstarkes "Jetzt halt aber mal die Luft an Eva..." raus zu holen, sondern sogar auch ganz selten mal seine Hände aus seinen Hosentaschen!

Ein vorzeitiger Erfolg war zu verbuchen!

Es verwuchs wirklich, zu einem großen Kauderwelsch aus alt und jung, laut und leise, stressig und ruhig, gelassen und verbissen, aufmunternd und entmutigend. Die Proben waren zwar zeitweise wirklich konzentriert, aufbauend, mit tausend Ideen gefüllt und immer mit außreichend Lachen versehen, nur die benötigte Perfektion ließ auf sich warten. Ich glaube wir haben es nicht einmal geschafft das Stück komplett mit entsprechenen Niveau durchzuproben, aber wie (wieder einmal) im Leben wird es sich wohl spätestens auf der Bühne der Realität zeigen, ob auch ein Vorstadt-Amateur-Musical bestehend aus junger und alter Kreativität der Region einen eigenen Zauber entstehen lassen kann.

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15. September 2002

Der erste Auftritt!!!

Sonntag morgen halb elf in Hohenstein! 35 Leute, wovon mindestens 30 vorher noch keine Ahnung davon hatten, dass es Sonntags diese Uhrzeiten überhaupt gibt, ein riesen Bus (wie sollte es auch anders sein) und eine Anspannung, mit der wir das Stromnetz von Halle sicher für zwei Wochen hätten versorgen können. Na gut, wir haben es dann doch alle geschafft uns systematisch in den Bus zu integrieren und los ging es, das Warten, das Bangen, das Hoffen, aber Stunde um Stunde verging und wir waren immer noch bei Zwickau. Ungefähr 130 Raucherpausen später erreichten wir endlich das Ziel!

Die Meute kletterte aus den Bus und geradewegs hinein in einen Saal der nichts gutes versprechen konnte. Mit Kaffee und Kuchen gedeckte Tische, weiße gebügelte Tischdecken, Videoprojektoren und wir. Wie sollte das zusammen gehn?

Naja, dann der Aufbau, das Umziehen, Schminken, sich das erste mal im Kostüm zeigen (was wohl das größte Gelächter seit der Erfindung der Komödie nach sich gezogen hatte), der Soundcheck (welcher keiner war) und das Vorprogramm(!), es wurden die Kirchen von Halle vorgestellt. Jede einzelne! Und dann mussten wir auch noch erfahren, dass unser komplettes Publikum punkt sechs vom Bus geholt werden würde, auch wenn wir noch nicht fertig wären. Tja, was soll man dazu sagen? Ein hoch auf die öffentlichen Verkehrsmittel.

Aber dann gings los! Wir waren endlich dran, nach dem sich unser "Jazz-Einhörnchen" schon fast die Lunge rausgehustet hatte, um seinen Unmut zu verkünden, wurde das auch höchste Zeit. Und plötzlich begann das Stück. Der Techniker kämpfte schwer mit diesem Kaltstart, nur anhand empfangener Signale lotete er uns aus und das mit Bravur, der Chor wirkte wie verwachsen, so synchron war er und die Schauspieler waren einfach nur grandios. Plötzlich, wie auf Knopfdruck kam der Text so verständlich und so komplett wie noch nie aus ihnen heraus. Jeder war genau da, wo er in diesem Moment hätte sein sollen und es gab kurze Improvisationen, die allen, die das Stück kannten, den Atem verschlugen.

Ja und dann kam der Abschlussapplaus, eine Menge tosender Rentner (die wahrscheinlich noch keine Ahnung hatten, dass ihnen noch ein "Wolldeckenverkaufsgespräch" bevorstandt), stampfend, pfeifend, klatschend und hätte der Bus draußen nicht gewartet, wären wir sicher noch in die peinliche Situation gekommen eine noch nicht vorbereitete Zugabe geben zu müssen.

Ja, was will man mehr! Die Anspannung war weg, die Besucher auch und wir hatten diesen unendlich langen Sonntag doch noch erfolgreich über die Bühne gebracht.

Eines war nur schade, der richtige Busfahrer hat leider den Humor des Musicals wohl nicht ganz verstanden. Aber das nur so am Rande.

Ja, soweit. Also bis zum nächsten mal, wenn’s wieder heißt "come back please"

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3. Oktober 2002

Die Premiere!!!

Ja, am 3. Oktober war es endlich soweit! Aber vielleicht sollte ich lieber einen Tag eher, genauer gesagt bei der Generalprobe beginnen, obwohl die so schlecht war, dass ich wohl nicht viele Worte dafür finden werde, außer vielleicht... "Hilfe Hilfe!"

Aber es heißt ja, wenn die Generalprobe schlecht läuft, wird die Premiere gut. Also freuten wir uns auf einen super Auftritt am nächsten Tag und auch wenn es keiner geglaubt hätte, wurde es wirklich einer.

Wir hatten uns noch nicht einmal in unsere Kostüme geworfen, da kamen schon die ersten Gäste, eine Stunde vor dem Auftritt begann der Saal sich langsam immer mehr und mehr zu füllen. Die Aufregung stieg mit jedem angezogenen Kostüm, jeder gestimmten Gitarre und jeder Minute, die es weniger wurde. Irgendwann gab es nur noch Stehplätze im vollbestuhlten Schützenhaus, bis man draußen sogar Gäste wieder weg schicken musste, weil es keinen Platz mehr gab. Das hieß der Erfolg aus wirtschaftlicher Sicht war uns gesichert, aber dann begann das Eigentliche. Wir mussten auf die startbereite Bühne. Vom Vorhang geschützt, aber mit dem Wissen, dass über fünfhundert Gäste keine zehn Meter vor uns saßen, machte sich spontane Blitzkälte an sämtlichen Händen breit, ernste Gesichter, aufgeregtes Getuschel, umfallende Notenständer und völlig sinnentbehrende Gesprächsfetzen huschten über die Bühne. Dann, unser Moment, schleppend öffnete sich der Vorhang, die Musik begann und es ging los.

Und wieder, wie einfach in eine solche Situation hineingeworfen begann das Stück mit uns zu spielen, und zum Glück war es kein Vergleich mit der Generalprobe. (Die These darüber erwies sich zu unserem Glück also doch als richtig.)

Man konnte grandiose Verbesserungen bei einigen Darstellern feststellen, es gab noch mehr Lieder, noch mehr Text und damit noch mehr Show und gutgekleidete Bläser und elegant tanzende Tiere rundeten das Bild endgültig ab.

Auf der Bühne funktionierte es wieder einfach und von unten kam die Resonanz: lachende Gesichter, ein grölender Saal beim Auftritt des Busfahrers, tosendes Klatschen nach jedem Lied, ja sogar ein "Handclapping" beim wohl ergreifendsten Liebeslied seit "all my loving" der Zuschauer, ergriffene Eltern mit Tränen in den Augen, "harte Männer", die plötzlich sentimental wurden und zum Schluß "Standing-Ovations" und ein nichtzuumgehendes Verlangen nach Zugabe.

Um aber eventuelle Rückenprobleme vom vielen Verbeugen zu vermeiden, verließen wir doch irgendwann die Bühne. Es kam zu einem sofortigen Gewusel, wobei jeder jeden umarmte und wir hatten alle sicher zwei Stunden lang zu tun, uns von jedem Besucher einzeln anzuhören, wie gut es gefallen hat.

Was soll man dazu sagen? Es war schön, beruhigend, entspannend und aufregend zu gleich. Danke!!!!

Und nun wissen wir ganz sicher, dass es wieder heißt: "come back please"

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